Holzwurm

Inh.: Petra Muschik
Roßmarkt 37
63739 Aschaffenburg

Telefon: 0049 (0) 6021 25635

E-Mail: holzwurm.muschik@t-online.de

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Öffnungszeiten

Montag - Freitag:
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Samstag:
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Adventsamstage:
9.30 - 18.00 Uhr

Anfahrt / Lage

Virtueller Rundgang

 

 

 

 

 

 

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5 Puppen, 9 Puzzles, 12 Spiele, 15 Kuscheltiere, 4 Bastelsets, 1 Kaufladen, 1 Kasperltheater, 20 Hörbücher, 500 Bügelperlen, 3 Computerspiele, 22 Bücher, 1 Zauberkasten, 1 Spielzeug-Ponyhof und 18 rundköpfige kleine Figuren aus Kunststoff. Das ist die grobe Bilanz der Spielsachen, die in Lottas Kinderzimmer zu finden sind. Lotta ist sieben Jahre alt. Trotz der Fülle an Spielzeug ist es ihr aber heute sehr, sehr langweilig. Was für ein Glück, dass die Uroma zu Besuch ist. „Uromi, was soll ich spielen?“ ruft Lotta und trottet in die Küche. „Ja, aber Lottchen, du hast doch so viele schöne Spielsachen!“ wundert die sich, „spiel doch mal mit ...“ – „Uromi“, unterbricht Lotte sie, „mit was hast du eigentlich gespielt als du ein kleines Mädchen warst?“. Über das Gesicht ihrer Uroma huscht ein Lächeln. „Mit einem Brummkreisel“, antwortet sie. „Mit einem Brumm-Was?“ fragt Lotta und die Uroma fängt an, zu erzählen. Von ihrem Brummkreisel, von ihrer einzigen Puppe und dem dazugehörenden Puppenwagen, vom Teddybär ihres kleinen Bruders und den bemalten Holzklötzen, die ein Märchen-Motiv ergaben, wenn man sie richtig zusammensetzte. „Und mehr Spielzeug hattet ihr nicht?“ fragt Lotta verblüfft. „Doch“, schmunzelt die Uroma, „einen eigenen Ball hatte noch jeder von uns.“

Auch wenig kann viel sein
Tja, vor fast 90 Jahren sah es in deutschen Kinderzimmern tatsächlich etwas anders aus als heute. In der Regel mussten sich mehrere Geschwister ein Zimmer teilen und dies wurde überdies hauptsächlich zum Schlafen und weniger zum Spielen genutzt. Gespielt wurde meistens im Freien, zusammen mit all den anderen Kindern, die in der gleichen Straße wohnten. Die wenigen Spielsachen, die zur Verfügung standen, mussten fantasievoll genutzt werden. Wer einen Ball besaß, brachte ihn mit. Beliebt bei Mädchen waren Wurfspiele, bei denen der Ball an eine Hauswand geworfen und wieder aufgefangen wurde. Dazwischen allerdings musste man zum Beispiel zweimal in die Hände klatschen, sich einmal blitzschnell im Kreis drehen oder ähnliche Übungen absolvieren. Fiel der Ball zu Boden, war das nächste Kind an der Reihe. Die Jungs spielten auch damals schon am liebsten Fußball, manchmal musste jedoch in Ermangelung eines Balles eine leere Blechdose herhalten, was dem Spieleifer keinen Abbruch tat.

Der Ball ist ein ewiger und unveränderter Klassiker unter den Spielzeugen. Ein anderer Klassiker sind Puppen und hier unterscheiden sich die Modelle von heute allerdings deutlich von den Modellen vor 100 Jahren. Bis Mitte 1950 wurden Puppen aus hartem Celluloid gefertigt, statt kämmbarer „echter“ Haare waren auch diese aus Celluloid und lediglich auf dem Puppenkopf modelliert. Weil diese Puppen schnell zu Bruch gingen, musste man vorsichtig mit ihnen umgehen und weil sie sehr starr waren, konnte man sie weder knuddeln, noch mit ins Bett nehmen. Sie waren weder biegbar, noch konnten sie sprechen und die wenigen Puppenkleider wurden meist von den Mamas oder Omas selbst genäht.

Gehütet wie ein Schatz
Heute wie damals beliebt waren auch Puppenhäuser. Da es zu jener Zeit aber noch keine Massenproduktion gab und ihre Herstellung damit recht aufwändig war, galten sie als etwas Besonderes und Wertvolles und wurden gut gehütet. In vielen Fällen holte man sie nur zur Weihnachtszeit vom Speicher. Durch diese „künstliche Verknappung“ erschienen sie immer wieder aufs Neue begehrenswert und die Kinder konnten sich praktischerweise in der nächsten Weihnachtzeit fast so über das Puppenhaus freuen, als wäre es ein erstmaliges Geschenk! Ähnlich verhielt es sich auch mit der Dampfmaschine, dem Dampfschiff oder der Dampfeisenbahn, die sich zwar viele Buben sehnlichst wünschten, aber aus Kostengründen nur selten bekamen. Oft blieben es Spielzeuge mehr zum Anschauen als zum täglichen Spielen. Zudem blieben viele dieser Spielsachen Kindern aus großbürgerlichen Elternhäusern vorbehalten, denn sie waren Anfang des 20. Jahrhunderts rar und teuer. Einen kleinen Holzkreisel, den man mit einer Peitschenschnur antreiben konnte, ein Säckchen mit Murmeln, um damit auf dem Gehweg „Schussern“ zu spielen oder ein einfaches Kartenspiel besaßen dagegen fast alle Kinder. Sie können jetzt – zumindest gedanklich – gerne einmal das Experiment wagen und sich vorstellen, wie Ihre Kinder reagieren, wenn sie einige Tage lang ausschließlich Ball, Kreisel, Murmel und Springseil zur Verfügung hätten. Na, wie fühlt sich das an?

Mit der Erfindung des Metallbaukastens, die ebenfalls in den Anfang des 20. Jahrhunderts fällt, konnten Kinder plötzlich eigene Konstruktionen wie einen Kran, ein Flugzeug oder ein Auto zusammenbauen und zum kleinen Tüftler werden. Aber auch viele heute noch beliebte Brettspiele hatten jetzt ihre Geburtsstunde: Monopoly kam 1904, Mensch ärgere dich nicht 1907 auf den Markt.

Begehrtes Blech
Mit der Verwendung neuer Materialien veränderte sich der Spielzeugmarkt drastisch. Im Gegensatz zum heutigen Spielzeug, das zum großen Teil aus Kunststoff ist und mit Elektronik gepimpt, wurde das frühere Spielzeug vor allem aus Holz oder Blech angefertigt und konnte, wenn überhaupt, nur mit einer einfachen Mechanik aufwarten. Da gab es beispielsweise den trommelnden Blechaffen, hüpfende Blechfrösche oder den bereits erwähnten Brummkreisel, der beim Drehen summte und tönte. Heute werden viele dieser Spielsachen von Sammlern geliebt und dementsprechend auch zu Sammlerpreisen gehandelt. Ob man das im Jahr 2090 von einem blinkenden Lichtschwert aus Plastik auch einmal wird sagen können?

www.puppenhausmuseum.de